Harmoniemusik Füssen

Publikum feiert die neue Harmonie – AZ 01.12.16

ADVENTSKONZERT VIEL APPLAUS IN DER FRANZISKANERKIRCHE FÜR FÜSSENER KAPELLE UND IHREN NEUEN DIRIGENTEN MARKUS THALER 

Füssen Die Stühle im Seitengang von St. Stephan waren nicht umsonst aufgestellt worden. Sonst hätten etliche Besucher in der Füssener Franziskanerkirche das großartige Adventskonzert der Harmoniemusik unter der Leitung von Markus Thaler recht unbequem im Stehen genießen müssen. Nach über 60 Minuten Hörgenuss standen einige Zuhörer auf, um den knapp 30 Instrumentalisten zu danken. Die Standing Ovations, unterstützt vom starken Applaus des noch wie gebannt sitzenden Publikums, galt dem Füssener Orchester, dem der Dirigentenwechsel gutgetan hat.

Frischzellenkur tut gut

„Jugend musiziert“ kann der neue Leitsatz sein, denn auch die Musiker, die treu viele Jahre zu ihrem Verein stehen, wurden vom talentierten „Harmonie“-Nachwuchs in die Frischzellenkur des zuvor stark ermüdeten Klangkörpers mit eingebunden.

Dass Eigengewächs Thaler – inzwischen 35 Jahre alt – den Taktstock übernahm, gilt als Glücksgriff, wie nach dem Konzert zu hören war. In den Gesprächen mit unserer Zeitung berichtete ein Bläser von seinem Comeback, das erfreulicherweise dazu führte, dass der Sohn im Advent mit dem Vater musiziert. Freude am gemeinsamen Musikmachen ist allein kein Kriterium für ein gutes Konzert. Bei den Proben unter Thaler herrsche große Disziplin. Eingeübt werden Kompositionen, die präzise auf den Punkt dargeboten auch kritischen Zuhörern Anerkennung abverlangen. Mit dem Popsong „The Rose“ bewies die Harmoniemusik, wie sensibel sie einem oft gehörten Stück ihren eigenen Stempel aufdrücken kann. Effekt: Die gute alte, unterm Schnee auf den Frühling wartende „Rose“, ein Symbol für die Liebe, wirkte in der Tat ziemlich taufrisch beim diesjährigen Adventskonzert. 

Auf eine weitere Qualität des unter Thaler neu formierten Orchesters wies Dr. Paul Wengert in seinen für die Zuhörerschar informativen Zwischentexten hin. Mit „Signature“ von Jan van der Roost sei der Harmoniemusik in der Franziskanerkirche eine „festliche und fanfarenhaft-kraftvolle Begrüßung“ gelungen. Wengert hatte bereits zu Beginn angekündigt: Das diesjährige Konzert spanne einen weiten musikalischen Bogen in unterschiedlichen Stimmungslagen. So ging es nach dem „sowohl rhythmisch als auch instrumental anspruchsvollen“ lyrischen Werk des Belgiers eher getragen weiter in den Mittelmeerraum. Das Totenglöckchen leitete die von der Harmoniemusik stark zelebrierte „korsische Litanei“ aus der Feder von Vaclav Nelhybel ein: eine Trauermusik von düsterer Schönheit.

Wirklich nicht zu viel versprochen hatte die Ansage, als Wengert davon sprach, dass es die große Kunst des Finnen Ilari Hykilä vermag, Zuhörer in eine Landschaft zu entführen, die „gewaltig, ausgedehnt und inspirierend“ sei. Die Interpretation des Werks war wunderbar gelungen. Gerne würde man noch mehr von diesem Komponisten hören.

Ein Medley mit Weihnachtsliedern durfte im Programm mit europäischem Zuschnitt nicht fehlen, bevor Reiner Schneider, Vorsitzender der Harmoniemusik Füssen, seinen Dank für eine rundum gelungene Kulturveranstaltung aussprach. Später sah man im Publikum und bei den Instrumentalisten richtig glückliche Gesichter.

VON WERNER HACKER