Harmoniemusik Füssen

Kraftvolles Orchesterspiel statt Dauerberieselung – AZ 06.12.17

Harmoniemusik Füssener Ensemble brennt mit Werken zeitgenössischer europäischer Komponisten ein Feuerwerk ab

VON WERNER HACKER

Füssen Das Adventskonzert der Harmoniemusik Füssen hat eine gute Tradition. „Bestimmt schon 30 Mal waren wir gern dabei“, sagte Irmgard Bernhard auf Nachfrage unserer Zeitung. Für ihren Mann Isidor und sich hatte sie sich rechtzeitig um einen guten Platz gekümmert. In der Franziskanerkirche St. Stephan, wo Vereinsvorsitzender Reiner Schneider nach eineinhalb Stunden konzentrierten Musizierens stolz auf „seine“ Aktiven an den Blasinstrumenten sein konnte, dienten sogar die Stufen eines Seitenaltars als Sitzgelegenheit, um das mit einem Werk von Richard Strauß beginnende siebenteilige Programm unter der Leitung von Markus Thaler genießen zu können.

Zuhörer rücken eng zusammen
Das Licht der ersten Kerze auf dem Adventskranz rechts vorm Altarraum zog die Blicke der Konzertbesucher auf sich, bis der Klostervorsteher auf der linken Seite vor das Mikrofon trat. „Es ist schön, wieder eine so volle Kirche zu erleben“, sagte Guardian Pater Stefan Seibert. Sofort danach begann vor knapp 200 Zuhörern, die in den Sitzreihen ganz eng zusammengerückt waren, das Konzert. Dr. Paul Wengert führte durch das Programm mit sieben Werken. Als souveräner Moderator gab er nicht allein eine kurze Einführung in Kompositionen, die eher selten interpretiert werden. Wengert stellte zur besinnlichen Zeit auch Texte aus einem neuen Büchlein des Benediktinermönchs Urban Stillhard vor, der auch als Komponist tätig ist. Man kennt sich aus den Treffen der Alpenländischen Chorverbände. Im Mittelpunkt freilich stand Dirigent Markus Thaler, der mit seinen knapp 30 Instrumentalisten ein musikalisches Feuerwerk abbrannte. Beifall brandete nach den 90 Minuten auf, in denen musikali- sche Leichtigkeit zu genießen war, aber auch schwermütige Töne erklungen waren. Den fröhlichen Schlusspunkt setzten das in den vergangenen drei Jahren verjüngte Bläserensemble und das Publikum gemeinsam mit dem Kirchenlied „Macht hoch die Tür…“

Einstimmung auf Weihnachten wird Füssener Kirchen, Konzertsälen und Kaufhäusern alle Jahre wieder in Hülle und Fülle geboten. Markus Thaler traut sich was, wenn er sich mit seinen Musikerinnen und Musikern von der Dauerberieselung absetzt und einen eigenen stilistischen Weg einschlägt, um die Freude aufs frohe Fest – neben Flöten mit Pauken und Trompeten – in der Klosterkirche auszudrücken.

Die eineinhalb Stunden in der wunderbaren Akustik von St. Stephan boten kraftvolles Orchesterspiel und zahlreiche lyrische Momente, die nicht allein den Klarinetten- und Saxofonspielerinnen eindrucksvoll gelangen. Nach jedem Programmpunkt wären Bravorufe verdient gewesen. Die Zuhörerschar wollte offenbar den Ablauf der ineinandergreifenden Aufführungen von Werken zeitgenössischer europäischer Komponisten nicht blockieren und sparte sich den Applaus für das Finale auf.
Vor der Kirchenlied-Zugabe präsentierte die Harmoniemusik nach imposanten Werken wie Strawinskys „Feuervogel“ das leicht verspielte Werk „Polish Christmas Music“, in dem Komponist Johan de Meij traditionelle Kirchenmusik und Melodien mit volkstümlichen Charakter miteinander in Einklang setzt. Moderator Wengert brachte das sich eindrucksvoll entwickelnde Programm eingangs auf dem Punkt, als er von einem „Bogen“ sprach, der sich im Verlauf des mit Einbruch der Dunkelheit von düsteren Hörerlebnissen hin „zur Helligkeit und Freude“ spannen würde.

Komponisten wie James Barnes, Thiemo Kraas oder Tom de Haes dank Thaler kennengelernt zu haben, war eine große Freude. Nur ganz selten aufgeführt wird auch die „Festmusik der Stadt Wien“ von Johann Strauß. Der bekannte Komponist schrieb gern für Bläser und erstellte eine stark gekürzte Fassung seines 1943 vollendeten Werks. Dieser „Mini-Strauß“ diente für die Blasorchester-Bearbeitung, die die Harmoniemusik eingangs im diesjährigen Adventsprogramm aufführte. Hiermit hatte sich das Takt für Takt stilsicher aufgebaute folgende Konzerterlebnis mit Dirigent Thaler schon feierlich angekündigt.