Konzert Unter ihrem neuen Dirigenten Stefan Reggel serviert das Orchester gekonnt einige Kostbarkeiten
Füssen Das traditionelle Adventskonzert der Harmoniemusik Füssen wird sehr gerne angenommen. Die Franziskanerkirche war auch diesmal bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Besucher erlebten eine Aufführung, die behutsam das Portal des Advents öffnete. Das Programm enthielt Kostbarkeiten musikalischer Werke, die entsprechende Interpretierung in der Wiedergabe fanden und somit entdeckende Hörerlebnisse aufschloss. Dazu gab Moderator Dr. Paul Wengert vorzügliche weiterführende Anregungen. Was die verhältnismäßig kleine Kapelle mit 35 Mitwirkenden, darunter sechs neu hinzugekommenen Jungmusikern leistete, verdient Hochachtung. Es war sicher nicht leicht, nach dem bisherigen bewährten Dirigenten Markus Thaler einen entsprechenden Nachfolger zu finden. Dies ist gelungen. Stefan Reggel, der zugleich Leiter des Kreisblasorchesters ist, als Lehrer an der Füssener Musikschule agiert und noch weitere Blaskapellen betreut, fand offensichtlich den Draht zu seinen Musikern und bewies mit ihnen, zu welchen Leistungen intensive Probenarbeit führen kann.
Celtic Crest, von Christoph Walter als Hymne für die Militärmusikveranstaltung „Basel Tattoo“ komponiert, klingt keineswegs martialisch. Mit ruhigen Harmonien und dem Ohrwurm der sich wiederholenden, gut gezeichneten schottischen Dudelsackmelodie schuf die Kapelle eine imposante friedliche Grundstimmung. Im Stück Red Rock Mountain von Rossano Galante war jedes Register gefordert, um das musikalische Porträt der wunderschönen Berglandschaft in Pennsylvania zu zeichnen. Mit einer lyrisch prägnanten Linie und einem strahlenden Finale ließen die Musiker aufhorchen. Wer der Empfehlung Wengerts nachkam, die Augen zu schließen, der konnte das Bild eines herrlichen Sonnenaufgangs vor sich haben.
Wer kennt ihn nicht, den Choral von Johann Sebastian Bach „Jesus meine Freude“? Jos Moerenhout hat ihn mit dem Titel „Jesu, Joy of
Man’s Desiring“ für sinfonische Blasmusik arrangiert. Die tänzerischen Achtelbewegungen umrahmen gekonnt die Wucht des „Cantus
firmus“ in einer stringenten Linie, die von den Musikern Konzentration verlangte. Das ruhige, bestimmte Dirigat war sehr hilfreich. Zur Meditation lud „Stal Himmel“ von Alan Fernie ein. In einem kompakten Gefüge gelang es den Musikern, sphärische Töne und Klangwolken zu zaubern, die Vorstellungen vom Blick ins All oder einer norwegischen Landschaft förderten. Leonhard Cohens „Hallelujah“ ist ein besonderes Vermächtnis. Es berührt. Im Arrangement von Undine Engel spielten es mit Intensität fünf Saxofonisten als Quartett, wobei das Sopransaxophon (Wera Schneider) die tragende Rolle bestens verwirklichte und dabei die Mitspieler sanft
folgten. „Canzone di Francesco“ von Thomas Doss ist ein sinfonisches Gemälde, das man als Hommage für den heiligen Franz von Assisi ansehen kann. Es ist meditativ angelegt. Mit sauberer Intonation und der nötigen Phrasierung wurden die zahlreichen Sequenzen klangschön dargeboten. Wie das bekannte Marienwallfahrtslied „Segne Du Maria“ sich in ein musikalisches Bilderbuch über die Stadt Ellwangen verwandeln und dann noch zu einem tänzerischen Ausflug in unterschiedliche kulturelle Regionen führt, zeigt Thiemo Krass in seinem Werk „Crossbreed“. Hervorragend wurden die rhythmischen Übergänge gemeistert. Ähnlich war es bei der Adventstimmung im Arrangement von Guido Rennert, bei der die Weihnachtslieder „Tochter Zion“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und „O du fröhliche“ in einer Art Filmmusik aufbereitet wurden. Es gab langen freudigen Beifall, der auch noch zur Zugabe des Brahmsliedes „Guten Abend, gute Nacht“ im Arrangement von Robert Kuckertz führte.
von Klaus Bielenberg