Adventskonzert Harmoniemusik Füssen präsentiert facettenreiche Klangkultur bis zu Pop mit „Christmas Fantasia“
Füssen Ausgefeilte Klangkultur bot das Adventskonzert der Harmoniemusik Füssen in der Franziskanerkirche St. Stefan. Die Musiker unter der Leitung von Markus Thaler begeisterten ihr Publikum im prall gefüllten Gotteshaus mit einem vorzüglich ausgewählten, facettenreichen Programm. Dr. Paul Wengert übernahm nicht nur die informativen Ansagen, sondern sensibilisierte die Zuhörer auch mit eingestreuten Geschichten, passend zur Adventszeit.
Im Eröffnungswerk „Praise to the Lord“ von Carl Wittrock schälte sich im Mittelteil majestätisch dasKirchenlied „Lobe den Herren“ heraus.
Der Kirchenraum bot in seiner Intimität die Akustik, die es dem verhältnismäßig kleinen Blasorchester ermöglichte, sowohl wuchtiges Klangvolumen als auch fein gestufte dynamische Differenzierungen zur Geltung kommen zu lassen. Pavel Staneks „Remember me“ verriet sehnsuchtsvolle Romantik. Die durchgehend fließende Melodik aller Register kam im Spiel voll zum Tragen. Zum Anschluss passte die eingestreute Geschichte vom „kleinen Stern“, die zum Nachdenken anregte.
Bei der Filmmusik „Raise of the son“ von Rossano Galante konnte man zunächst rätseln, ob hier die „Auferstehung des Sohnes“ oder das „Aufgehen der Sonne gemeint sei“. Beide Bilder zeigten sich in der Komposition. Kraftvoll spielte das Blech seinen Part. Es ließ sich zusammen mit den Holzbläsern aber auch in weiche Kantilenen einbinden, die zum Träumen einluden. In einer imposanten musikalischen Steigerung vereinigten sich beide Bilder.
Die Adventszeit lädt dazu ein, sich selbst zu finden. „Mentis“ heißt der Titel des Musikstückes von Thiemo Kraas, in dem die Klarinetten zu Beginn so innig die Melodie „Maria durch ein Dornwald ging“ spielten, dass dies zur Besinnung und inneren Ruhe führen konnte. Kraft hingegen strömte aus dem festlichen „Macht hoch die Tür“.
Eindrucksvoll erzählte Wengert den schrecklichen Inhalt von Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“. Er flocht dabei den ihm persönlich
bekannten Holocaust-Überleben-den und Schreiber der Schindler-Liste Mietek Pemper aus Augsburg mit ein. Ihm hatte er 2007 als Oberbürgermeister die Ehrenbürgerwürde verliehen. Umso eindringlicher erklang dann das schlichte, ergreifende „Theme from Schindlers
List“. Der Komponist John Williams hat in der Filmmusik, die mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, ein Violinsolo dem bekannten israelischen
Geiger Itzhak Perlman gewidmet. Diesen Part übernahm sehr beeindruckend John Westerdoll mit seiner Violine. Die in das Thema gepackte
Emotionalität berührte.
Ein großes Lob gebührt dem Orchester das feinsinnig und zurückhaltend begleitete. Im Stück „Whispers from beyond“ von Rossano Galanto wetteiferten geschwungene melodische Linien mit majestätischen Bläserfanfaren. Die Musiker zeichneten damit ein atemberaubendes Bild des schönen Horizonts der Erde. Palladio, der bedeutendste Architekt der Renaissance in Oberitalien, schuf Bauten, die durch ihre Harmonie und ihren Glanz auffielen. Die gleichnamige Suite von Karl Jenkins aus dem Jahr 1996 gefällt mit ihrem barocken Klang. Unter der exakten Leitung ihres Dirigenten meisterten die Musiker die pulsierenden Rhythmen, die zur Dramatik des
Werkes beitrugen.
„Christmas Fantasia“, eine mitreißende Pop-Komposition aus der Oberstufe der Blasmusik von Satoshi Yagisawa, bildete
das Finale des Abends. Die Kapelle bewies in dieser Suite, dass sie durchaus rockige Passagen bewältigt. Die eingebetteten kurz angedeuteten weihnachtlichen Weisen wie „Jingle Bells“ und „Engel singen frohe Lieder“ blickten verschmitzt hervor.
Das Publikum spendete im Stehen langen Beifall. Mit der Zugabe „Abendmond“ von Thiemo Kraas belohnte das Orchester die Zuhörer.
VON KLAUS BIELENBERG